Fahrt zur Hölle !

Fahrt zur Hölle! Was im Alltag als Fluch zu verstehen ist, läutete am ersten September-Wochenende ein fulminantes Triathlon Festival ein. Vier Teams aus Buxtehude reisten nach der langen Wettkampfpause nach Berlin, Danzig, Tallin und Quedlinburg.

Quedlinburg ist der Austragungsort der Hölle von Q. Ein Mitteldistanz-Triathlon mit reichlich (1600) Höhenmetern.

Axel, Katrin, Olaf und ich fuhren also zur Hölle. Quedlinburg ist ein mittelalterliches Städtchen, in dem die Geschichte der Hexenglaubens überall ihre Spuren hinterlassen hat.

Einquartiert rund um den Marktplatz, an dem am Freitag bereits der Zielbogen aufgebaut war, bereiteten wir uns entspannt auf den Wettkampf vor. Ein erstes Einschwimmen im Ditfurter Baggersee sorgte für erste euphorische Momente. Klares Wasser, angenehme 19 Grad Wassertemperatur und lockere 700 m Schwimmen ohne Neo. Anschließend Besichtigung der Radstrecke per Auto und Inspektion der kritischen Punkte: Asphaltflickenteppich mit Schlaglöchern bei 10 bis 14 Prozent Gefälle, der Anstieg nach Friedrichsbrunn, der per Rad zweimal zu fahren ist, die Wechselzone in Thale.

Denn das Besondere dieses Wettkampfes ist die Streckenführung. Die Teilnehmer fahren und laufen keinen Rundkurs. Stattdessen verläuft die Radstrecke vom See in Ditfurt in einem Bogen zum Rand des Harzes, wo sich die Athleten an drei Steigungen verausgaben dürfen, um dann weiter nach Quedlinburg zu laufen. Die komplexe Logistik übernimmt vollständig das Veranstalterteam. Als Athlet muss man nur seine zwei Wechselzonenboxen mit Rad- und Laufutensilien füllen.

Nachdem wir also die Strecke in der Theorie verinnerlicht hatten, gab es am Samstag einen kleinen Praxischeck per Rad, kurzes Antesten der Steigungen und Schlaglöcher. Letzte Vorbereitungen für den Morgen - das Übliche: Verpflegung in Form von Gels und Wasser - und aufgrund des 10 Grad kalten Sonntagmorgens noch eine kurzfristige Entscheidung für eine Windjacke.

 

Der Sonntag begann um 5 Uhr, kurzes Frühstück und Abfahrt zum See. Einschwimmen war bis 6:20 Uhr erlaubt - wir verzichteten dankend. Zu kalt, um nass auf den Schwimmstart zu warten.

Aufgrund des strengen Hygienekonzepts haben sich die Veranstalter ein elegantes Startprozedere ausgedacht: Aufgeteilt in Gruppen nach Schwimmzeit versammelten wir uns auf festgelegten Spots am Seeufer. Zum Start wurden dann vier durch Gitter abgetrennte Reihen geöffnet durch die wir Richtung start gehen konnten. Alle 10 Sekunden erfolgte ein Start einer Viererreihe.

Es war der entspannteste Triathlonstart ever. Kein Gewühle. Kein Überschwimmen. Nur Genuss. Kurz vor Sonnenaufgang ins Wasser, nach etwa 10 Minuten Schwimmen begann die Sonne über dem Ufer zu glühen, das Wasser fing an zu dampfen - mitten im Dampf Triathleten, mit ihren rhythmischen Armbewegungen den Dampf zerteilend.

Auf halber Strecke querten zwei Schwäne ruhig den Schwimmkurs - offenbar ziemlich unbeeindruckt von den 250 Menschen im Wasser. Am Ende des Sees, der in einem einfachen Rechteckkurs durchschwommen wird, änderte sich das Bild. Die Sonne schien jetzt bei dem zweiten Atemzug direkt in die Augen, die Sicht zum Ziel wurde schwierig. Alles im Dunst verschwommen. Als Orientierungshilfe bot sich der Kirchturm von Ditfurt an - er liegt etwa über der anzuschwimmende Boje.

Der Rest ist Meditation. Lange Züge, gleiten, atmen. Ruhig bleiben und genießen. Selbst an den Bojen kein Gedränge. Nach 36 Minuten dann schon das Ende - raus aus dem Wasser und zum Rad. Ausnahmsweise ließ sich sogar der Neo problemlos von den Füßen streifen.

Die Radstrecke beginnt flach. Das Feld brettert mit meist 40 Sachen durch das Harzer Vorland, fährt die Nasse Kluft trocken. Die Sonne entwickelt langsam Kraft, was angesichts der immer noch nur 11 Grad auch dringend nötig ist.

Nach nur 15 Kilometern ist die flache Herrlichkeit vorbei - flache Hügel folgen, bis nach 25 Kilometern bereits der Anstieg zur Rosstrappe, einem Aussichtspunkt auf 428 m, beginnt. Die nächste halbe Stunde führt erst am Waldrand, dann im Wald vorbei immer höher. Die Gangreserve schmilzt von Kurve zu Kurve. Dann die erste Abfahrt. Ein echter Höllenritt. Gut das die Strecke für Verkehr gesperrt ist - denn es ist ein steter Wechsel aus Slalom zwischen Asphaltflicken, Schlaglöchern und Abbremsen, wenn es zu gefährlich wird. Ohne Bremsen fährt man schnell 50 und es rüttelt und schüttelt, dass man Angst ums Material bekommt. Allerdings dauert die Abfahrt nur wenige Minuten und kurz vor Thale, dem zentralen Ort des Radgeschehens, wird der Asphalt glatt und es geht mit vollem Schwung in das Dorf. Die Helfer leiten uns mit nicht enden wollender Ausdauer mit Applaus durch die Strecke zum nächsten Anstieg. Diesmal liegt der Gipfelpunkt Friedrichsbrunn auf 578m, mit Steigungen bis zu 14 Prozent. Also Ehrgeiz weggepackt und Kraft einteilen, damit es für den Lauf noch reicht.

Das Denken reicht immer nur bis zur nächsten Kurve. So geht es etwa vier Kilometer, dann auf Höhe einer Sommerrodelbahn wird es flacher und das große Blatt kommt wieder zu seinem Recht. Die letzten Kilometer bis zum Wendepunkt sind easy, dafür beginnt der Magen zu Knurren. Nur Gel als Verpflegung ist doch zu wenig. Am Wendepunkt, der wie ein Formel-Eins-Boxenstopp aufgebaut ist, gibt es Riegel und Getränke - und dann beginnt der Spaß: Sieben Kilometer feinste Abfahrt, tolle Kurven, Spitzengeschwindigkeit bis 70 Stundenkilometer und die Erkenntnis, dass Kleinmachen auf dem Rad die bessere Taktik ist, als Treten. Die Kleinsten sind die Schnellsten.

Der Temporausch ist so groß, dass die zweite Runde bergauf weniger nervig ist, als die erste, denn die Belohnung ist zum Greifen nah. Und wieder stürzen wir uns bergab nach Thale - und viel zu schnell ist der Radpart des Wettkampfs zu Ende.

In der Wechselzone die nächste Überraschung - das Rad muss nur irgendwo abgestellt werden, die Helfer drücken einem die Box mit den Laufsachen in die Hand und weiter gehts. Raus aus dem Ort und dann beginnt ein atemberaubende und anstrengende Berg- und Talstrecke rund um die Teufelsmauer. Eine wilde Steinklippe, die aussieht wie der Rückenkamm eines Drachen. Das ewige Auf und Ab zermürbt die Oberschenkel recht schnell, nach den ersten 8 Kilometern ist von der anfänglichen Laufgeschwindigkeit nicht mehr viel übrig. Das Feld ist weit auseinander gezogen - stellenweise ist man völlig allein in der Landschaft.

 

In einer großen, herzförmigen Runde umläuft man die Teufelsmauer bevor es wieder etwas zu trinken gibt. Nach der Hälfte der Strecke ändert sich das Profil und die Strecke führt am Fluss entlang völlig eben nach Quedlinburg. Die Türme der Stadt sind schon zehn Kilometer vorher zum Greifen nah. Ab dem Stadtrand raunen einem die Helfer zu: Nur noch zwei Kilometer, nur noch ein Kilometer. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Denn es geht noch drei Kilometer durch Quedlinburg, scheinbar kreuz und quer, als wollten die Veranstalter einen durch ein Labyrinth führen und völlig verwirren. Dann heißt es: Ihr seid gleich da, nur noch zum Schloss.

Das „nur“ hat es aber in sich. Es ist die mit Abstand steilste Steigung der Laufstrecke: auf grobem Kopfstein rauf in den Burghof - und wieder zurück. Dann sieht man den Zielbogen - und wird doch nochmal in einer Kurve durch die Straßen geschickt, um dann von der anderen Seite zum Ziel zu laufen.

Ein emotionaler Moment - auf dem Marktplatz applaudieren die Zuschauer, jeder Läufer wird hier als Held gefeiert. Ein toller Wettkampf. Und auf jeden Fall eine Wiederholung wert.

Und am Nachmittag glüht die Whatsapp - Gruppe: Meldungen aus Danzig, Berlin, am Vortag schon aus Tallin. Peter Uhl 1. seiner Altersklasse bei der Mitteldistanz, Tanja Hahn, 2. in ihrer AK, Uta Zielke auf der Mitteldistanz in Berlin, 1. ihrer AK und 5. in der Gesamtwertung. Axel Pfeiffer, Wanja Moritz und Karsten Lücke vertraten das Triathlon Team Buxtehude beim Ironman in Tallin.

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