Die durch die Hölle "gehen"

Ich möchte Euch hier von einer ganz besonderen Veranstaltung berichten, die für den Einen oder Anderen im nächsten Jahr interessant sein dürfte.
 
Die Hölle von Q (Quedlinburg)
 
Wir, Meike und Babs als Staffel sowie Olaf und Axel als Einzelstarter mit Support von Christian, waren letztes Wochenende im Harz, um diese besondere Mitteldistanz zu bestreiten. Bei der geht es darum, 2 km zu schwimmen, rund 34 km in Richtung Harz zu fahren um dann auf weiteren 50km drei Berge zu erklimmen (fahren) und dann schließlich 21km zurück nach Quedlinburg zu laufen.
Ein höllisches Vergnügen.
 
Aber der Reihe nach.
Weil der Start am Ditfurter See bereits zum Tagesanbruch um 6:30 Uhr stattfand, müssen die Wechselzonen (2!) am Vortag eingerichtet werden. Die herausfordernde Logistik dahinter muss ein Triathlet erstmal verstehen. Es waren am Ende aber alle Kisten und Taschen da gelandet wo sie sein sollten. Quedlinburg empfing uns bereits mit einem Vorgeschmack auf die Hölle mit heißen 32,5 Grad. Wir machten uns vertraut mit der Wettkampfstrecke und ihren steilen Abfahrten. Bei der Wettkampfbesprechung wurde u.a. dann auch die Frage, ob die Abfahrten gefährlich seien, von den Hölle-Erfahrenen mir lautem "Ja" beantwortet. Das blieb auch nicht der einzige Tip auf der sehr familiär geführten Wettkampfbesprechung, auf dem Veranstaltungsgelände. Wir saßen in “Ott`s Garten” mit Bäumen und guter Laune im Gras, um den Veranstalter Mark Hörstermann herum, dem offensichtlich sehr an unserer körperlichen Unversehrtheit gelegen war.
 

 
Am nächsten Tag Aufstehen um 4:30 Uhr, nach einer warmen und zum Teil schlaflosen Nacht. Christian kutschierte uns alle direkt zum Start in die Hölle. Der See präsentierte sich mit Feuerschalen am Strand wie der Vorhof dazu. Nach dem Durchschreiten der altertümlichen Mauer fiel der Startschuss pünktlich zum Sonnenaufgang.
 
 
 
Die Hölle hielt ihr Versprechen, der Fußtritt ins Gesicht auf den ersten Schwimmmetern gehörte scheinbar zum Eintritt dazu. Richtung Ausstieg wurde gegen die Sonne geschwommen, welcher so nicht zu erkennen war - das Tor zur Hölle brennt.
 
 
Den Wadenkrampf in der ersten Wechselzone schickte der Teufel persönlich und wären nicht so viele Engel des Weges gewesen, wäre wohl auch Babs' Radsturz gegen Ende der Radstrecke nicht so glimpflich ausgegangen. Nach 1,5h Vorbelastung hieß es dann, die Rosstrappe hochkurbeln. Einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Die erste Abfahrt über übel geflickte Strassen bewegte die Trinkflasche zum Ausstieg. Zum Glück gab es Nachschub. Mit noch schlotternden Knien ging es zum nächster Anstieg von Thale auf 600 HM bis Friedrichsbrunn unter Anfeuerungsrufen begeisterter Zuschauer.
 
 
Vergesst die Zeitfahrräder, 14% Steigung lassen keine lockere Trittfrequenz zu und weil es so schön war, nach einer erneut halsbrecherischen Abfahrt, das Gleiche nochmal. Wo ist schon wieder meine Trinkflasche?
 
Der Höllenritt hatte noch mehr auf Lager. Die Freude, über die endlich erreichte, geplante Pulsfrequenz, hielt nur die zweite Wechselzone lang. Wir wurden nun zur Teufelsmauer geschickt und der Wadenkrampf war als Begleiter immer dabei. Hoch gehen, runter bremsen. Wind kam auf, und über dem Harz zogen Gewitterwolken zusammen. Was für ein Schauspiel, hat hier doch einer seine Hände im Spiel? Das Leiden begann ab Kilometer 4, doch die Gedanken ans Aufgeben wurde von unzähligen Helfern und begeisterten Zuschauern immer wieder lächelnd fortgewischt. So lief oder ging es abwechslungsreich durch Auentäler, über Hügel mit einer alten Mühle und einmal mitten durch ein Hofcafé nach Quedlinburg.
 
"Nur noch einen Kilometer, gleich geschafft", verkündete die ältere Helferdame am Parkeingang. Ich erinnerte mich an die Worte des Organisators, über eine letzte Schweinerei kurz vor dem Ziel, 500m weiter: "Nur noch einen Kilometer, gleich geschafft", dieser Satz wurde im Ziel zum Running Gag.
 
 
Ja, die letzten Meter waren ein Geschleppe auf den Schlosshügel, unter Anfeuerungsrufen, eine Extrarunde um den Rathausmarkt, von einem echten Teufel gescheucht und schlussendlich durch ein mittelalterliches Haus als Zielkanal auf den Rathausmarkt  - geschafft!
 
Wer durch die Hölle geht, sollte sich beeilen oder einfach genießen. Ich habe 6 Stunden genossen. Nach monatelanger Planung, Trainingsvorbereitung (Rosengarten) und Streckenbegutachtung wurden wir
nicht enttäuscht. Ich hoffe Meike und Babs verzeihen mir, dass ich sie schon 2 Monate vorher verrückt gemacht habe.
 
2020? Ich habe mit dem Teufel noch eine Rechnung offen.