Meine erste Teilnahme bei einer Deutschen Meisterschaft

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Hallo, mein Name ist Sam und ich bin 13 Jahre alt. Den ein oder anderen von Euch bin ich durch meine Locken bekannt. Ich würde ja gerne sagen, durch meinen Laufstil bekannt, aber das würde zu sehr nach Angeben aussehen.

Ich mache jetzt seit 3 Jahren Triathlon im Triathlon Team Buxtehude. Das erste Jahr neben meinem damaligen Hauptsport -Kartfahren- nur etwas geschnuppert und dann zwei Jahre in der sogn. Schülerserie ganz ambitioniert. Wenn ich was mache, dann ganz und mit Leidenschaft. Das gilt übrigens nicht für die Schule!

Ich muss aber zugeben, dass ich hin und wieder von einer Profi Karriere im Triathlon träume und das eine Teilnahme bei Olympia oder auf Hawaii in meinen Gedanken sehr oft auftaucht. Aber das dauert sicherlich noch ein paar Jahre und ganz viel Trainingseinheiten.

Aber die Weichen sind gestellt und auf den Weg dahin steht die Deutsche Meisterschaft in diversen Kategorien. Für mich im ersten Jahr als Jugend B-Triathlet.

Nachdem ich im letzten Jahr in der Schülerserie Erster geworden bin, habe ich mich über den Winter um einen Platz im Kader des Niedersächsischen Triathlon Verband bemüht, und den ganzen Winter an jedem Samstag am Sportleistungszentrum in Hannover trainiert. Ganz gereicht hat es nicht, aber in den Perspektiv-Kader habe ich es geschafft, und durfte im April mit dem Kader ins Trainingslager nach Mallorca und vor drei Wochen nach Bispingen.

Trainiert ohne Ende und Wechsel geübt bis zum Erbrechen sollte jetzt alles bei der Deutschen Meisterschafft in Grimma eingesetzt werden. Teilnehmen und heil ins Ziel kommen war die Vorgabe von Trainer und Team-Kollegen, auch wenn in meinen Gedanken eine gute Platzierung hin und wieder vorkam.

Fast wäre meine Teilnahme aber in buchstäblich letzter Minute geplatzt. Kurz vor der Abfahrt nach Grimma am Donnerstag gab es richtig Ärger, weil ich mal wieder mein Zimmer nicht aufgeräumt habe. Da ist die Hutschnur geplatzt oder das Fass übergelaufen und lautstark wurde mir mitgeteilt, dass ich die Fahrt und Teilnahme knicken kann. Warum müssen Eltern eigentlich immer im genau falschen Moment so einen Ärger machen? Als sich die Wogen etwas geglättet hatten, wurde die Absage der Fahrt in eine allerletzte Warnung geändert. Warum denn nicht gleich so? Wenn ich jetzt mental aus der Spur bin und am Sonntag beim Wettkampf ab-loose, weiß ich ja, wer daran schuld ist.

Das Theater meiner Eltern hat etwas Verzögerung gebracht und wir sind am Donnerstag um 23:00Uhr in Grimma angekommen. Ich habe es auf den Stau geschoben und wollte den Kollegen nicht erklären, dass ich fast gar nicht gekommen wäre.

Am Freitag stand dann die Streckenbesichtigung mit dem Team und Trainer auf dem Programm und die Parade der Bundesländer. Und bei mir stand auf dem Programm, die Aufregung in den Griff zu kriegen. Die ganzen blöden Sprüche von wegen dabei sein und Hauptsache durchkommen helfen echt gar nicht. Wie soll ich jemals beim Bundestrainer überzeugen, wenn ich vorher bei Wettkämpfen nur durchkomme. Mein Leben und meine Karriere stehen auf dem Spiel und ihr faselt alle nur was von Erfahrung sammeln und dabei sein ist alles. Echt blöd und gar nicht hilfreich.

In der Nacht zum Samstag habe ich dann auch fast gar nicht geschlafen. Nicht nur die Aufregung, sondern auch die Hitze haben dazu beigetragen. Da der Wettkampf aber erst am Nachmittag war, konnte ich nach dem Frühstück noch versuchen, etwas zu chillen. Ich glaube dazu sagt man „die Ruhe vor dem Sturm“. Hat ganz gut funktioniert und als es dann losging vom Hotel zum Wettkampf, war ich auch etwas ruhiger.

Strahlende Sonne und 35°C für meine erste Teilnahme bei einer Deutschen Meisterschaft. So ungefähr muss sich Kona anfühlen. Da waren sie wieder die Gedanken und der selbst gemachte Druck.

Gestartet wurde die DM mit der weibl. Jugend B und ich hatte noch etwas Zeit. Von dem Wettkampf der Mädels habe ich überhaupt gar nichts mitbekommen. Bike einchecken und die Wechselzone vom Rad zum Laufen aufbauen, mussten erledigt werden. Aufwärmen und kurzes Einschwimmen im Fluss waren auch sehr hilfreich zur Ablenkung.

Und dann standen wir mit fast 80 Athleten vor dem Schwimmstart und haben gefühlt eine Stunde gewartet. Mein Vater meint es waren nur wenige Minuten, aber der meinte ja auch, dass mein Zimmer nicht aufgeräumt sei.

Los geht’s! Rein ins Wasser und an die Startlinie schwimmen. So weit wie möglich links soll die Strömung des Flusses am geringsten sein hat Udo - mein Trainer- gesagt. Wahrscheinlich nicht nur mir, sondern den anderen 80 hat er das auch verraten. Ganz links war es an der Startlinie schon sehr voll und ich habe mich etwas weiter rechts eingeordnet. Lange Zeit zum Überlegen hatte ich auch nicht, da ertönte schon das Startsignal.

Die Deutsche Meisterschaft in der Jugend B hat für mich alles andere als wie erwartet angefangen. Für einen Moment wusste ich nicht wie mir geschieht und wo oben und unten ist. Wie in einer Waschmaschine wurde ich im Feld der 80 Schwimmer umhergeschleudert. Überall nur Arme und Beine und das Wasser wie im Sturm vor Helgoland. Warum hat mir keiner gesagt, dass es nicht wie in der Schülerserie ruhig und gesittet vor sich geht. Jetzt verstand ich auch, was dieses dämliche nur durchkommen bedeutet.

Als ich gerade dachte, dass es etwas ruhiger wird, weil sich das Feld etwas auseinanderzog, habe ich einen heftigen Tritt oder Ellenbogen in die Seite bekommen. Mir blieb die Luft weg, und ich musste zunächst ein paar Brustzüge machen, bevor ich wieder atmen konnte. Der Schmerz blieb aber, und ich wurde mal eben fast bis zum Ende des Feldes durchgereicht.

Was soll’s? Meine Strategie sah eh vor, dass ich auf dem Rad mindestens eine Gruppe nach vorne fahre und dann in meiner Lieblingsdisziplin Laufen noch etwas rauslaufe.

Um das Glück beim Schwimmen noch zu vervollständigen, habe ich mich nochmal kurz in der Wechselzone verlaufen. Das sieht aber auch alles gleich aus, wenn man die Schwimmbrille abnimmt. Auf dem Rad hat es dann aber ganz gut funktioniert. Ich konnte mich gut nach vorne arbeiten. Ich spürte die Gier, die Gier nach Tempo in mir. OK, zugegeben, dass stammt von meinem Vater. Der ist Top Gun Fan. Ich habe keine Ahnung, was oder wer Top Gun oder Tom Cruise ist. Hört sich aber gut an.

Da dachte ich auf dem Rad „OK jetzt läuft es und ich rolle das Feld von hinten auf“. Rein in die Wechselzone und in die Laufschuhe. Der Wechsel lief wirklich super, und ich war in null Komma nichts auf der Laufstrecke. Leider hielt dieser Eindruck und Freude an der Lieblingsdisziplin nicht lange. Einmal rechts in die nächste Gasse habe ich dann einen Kerl mit einem Hammer getroffen. Die Schmerzen vom Tritt im Wasser waren plötzlich wieder da. Nur noch heftiger. Ich habe kaum noch Luft bekommen und meine Beine fühlten sich wie Betonklötze an und es fühlte sich an, als wenn ich Papas Van abschleppe.

Durch die vielen Teamkollegen, Trainer und Eltern an der Strecke habe ich durchgehalten. Überall stand irgendjemand der gebrüllt hat „los Sam“ oder „hol sie Dir“. Bei dem Gebrüll und Anfeuern habe ich fast die Schmerzen vergessen. Auf keinen Fall kam es mir in den Sinn, einfach stehenzubleiben und aufzuhören. An dieser Stelle vielen Dank an alle an der Strecke, die mich angefeuert haben.

Am Ende hat es noch zu einen 49. Platz gereicht. Definitiv nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Aber eben jede Menge von den Erfahrungen, die ich sammeln sollte. Ein paar weniger Erfahrungen und ein paar Plätze weiter vorne wären schon besser gewesen. Aber was soll's. Jetzt kann ich wenigstens mitreden, was es heißt an einer Deutschen Meisterschaft teilgenommen zu haben.

Den Rest des Tages habe ich meine Team-Kollegen angefeuert. Bei den meisten lief es sehr gut und deutlich besser als bei mir. Hat sich zumindest mein Anfeuern gelohnt.

Irgendwann später am Abend und bei der Pasta Party mit dem Team gab es dann für mich den Höhepunkt und maximalen Erfolg des gesamten Wochenendes. Anscheinend war es doch ernst gemeint vom Trainer-Team, dass Durch-, und Ankommen schon ein Erfolg ist. Andre und Udo waren von den Leistungen des gesamten Teams begeistert und wir vier Perspektivathleten haben die Beförderung in den Kader des Triathlon Verbandes Niedersachsen erhalten.

Eigentlich möchte ich gerne schreiben „Champagner, darauf müssen wir anstoßen“. Aber ich bin ja erst 13.

Liebe Grüße

Sam

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