Regionalliga Schwerin

IMG_0646.JPG

Ich rolle in aller Ruhe am See entlang zum Schweriner Schloss, dem Start des 3. Wettkampfes der Regionalliga. Noch bin ich nicht aufgeregt, noch kann ich die Sicht auf das Schloss und den Schlossgarten genießen. Die Umgebung (bis auf das Kopfsteinpflaster, aber dazu später mehr) ist wirklich schön und allein schon die Reise wert.

Es folgt das übliche Prozedere: Fabian und Andrea suchen, die als Teamleiter die Startunterlagen abgeholt hatten und ohnehin immer die organisiertesten sind, die Ausschreibung fast auswendig kennen und somit alle aufkommenden Fragen beantworten können. Noch eben die Wechselzone einrichten und dann schnell wieder in den Schatten der großen, historischen Gebäude, den das Zentrum des Geschehens rahmen.

Alles läuft so ein bisschen wie in Zeitlupe ab; keiner hat recht Lust, sich mehr zu bewegen als unbedingt notwendig und als Peter schon frühzeitig mit dem Aufwärmen beginnt, findet er im Rest der Mannschaft keinen Begleiter. Wir raffen uns natürlich noch rechtzeitig auf, um unsere Aufwärm-Routine zu starten, auch wenn wir sie etwas kürzer halten, als Andreas es wahrscheinlich lieb wäre. Aber er ist ja nicht da :D

Doch die Entsapnntheit weicht der Aufregung. Die Sonne steht hoch oben am Himmel und die Temperatur hat schon längst die 30 Grad überschritten. Das würde harter, zehrender Tag werden.

Um 11 Uhr ertönt das Startsignal für die Männer, wir Frauen folgen ihnen 5min später. Kathas Mission ist klar: als erste Frau aus dem Wasser kommen. Ich schwimme zu Beginn mit Lisa zusammen, verliere sie aber an einer Boje. Irgendwie war das ein ziemliches Durcheinander: Arme, Beine, Wellen, Pflanzen, Bojen, noch mehr Pflanzen, noch mehr Körperteile von anderen in meinem Weg. Katha stört das alles überhaupt nicht, denn sie distanziert den Rest des Feldes und kommt mit Abstand als Erste aus dem Wasser. 

Ich hatte im Wasser den Anschluss an die Gruppe vor mir nicht ganz halten können. Ich schaffe es, beim Wechsel konzentriert zu bleiben, renne mit meinem Rad durch die ganze Wechselzone (denn unser Platz war fast ganz am Anfang) und springe hinter der Linie auf. Das war nicht so ganz ungefährlich; ich kann zwar aufs Rad springen, hatte aber nicht bedacht, dass manche in der Gruppe vor mir beim Aufsteigen anhalten. Zumindest war der Anschluss wieder hergestellt.

Lisa und ich sind nun in der gleichen Gruppe, Katha eine vor uns, Andrea vermutlich eine hinter uns. Ich setze mich ans Ende der Gruppe, ziehe mir in Ruhe die Schuhe an und mache mir einen Plan. Ich weiß, dass wir zu langsam sind, um nicht bald von schwächeren Schwimmern, aber dafür umso stärkeren Radfahrern und Läufern eingeholt zu werden. Da sehe ich, dass wir uns einer kleinen Steigung nähren. Ich weiß zwar nicht, wie man ein Triathlon taktisch angeht, aber ich weiß, wie man Radrennen gewinnt. Also theoretisch zumindest.

Ich trete an und rufe Lisa zu, sie solle mitkommen, als ich an der Gruppe vorbei schieße. Mein Wattmesser zeigt über 800 Watt. Am Ende der Steigung ist die Lücke sogar viel größer als erwartet, Lisa kurz hinter mir, sonst niemand. Zu zweit harmoniert die Zusammenarbeit bestens und wir zwingen so die Gruppe hinter uns, mindestens genau so viel zu arbeiten wie wir. 

Nach der Hälfte der Strecke, am Wendepunkt sehe ich, dass unsere Verfolger sich geteilt haben und nur noch eine kleine, starke Gruppe kurz hinter uns ist. Ich nehme raus, wir lassen uns einholen und profitierten nun vom Windschatten unserer Konkurrenz. Lisa und ich gehen beide mit durch die Führung und Dank der Zusammenarbeit mit einigen starken Mädels schließen wir zur ersten Radgruppe auf.

An der fahren wir auch gleich vorbei und setzen uns nach vorn, schließlich steht die Wechselzone und somit der Abstieg kurz bevor. Um die Schwierigkeiten vom Aufstieg zu vermeiden, will ich an der Spitze der Gruppe in die Wechselzone gehen. Mit dem Plan bin ich allerdings nicht allein. Zu viert versuchen wir nach vorn zu kommen, wodurch wir eine kleine Lücke reißen. Ich springe vom Rad und versuche so viel Tempo wie möglich mit in den Lauf zu nehmen. In gleicher Formation verlassen wir die Wechselzone wieder. Das Anfangstempo meiner Begleiterinnen ist unglaublich hoch. Ich versuche mitzugehen, aber ich kann nicht verhindern, dass sich eine Lücke zur Zweiten auftut. Gleichzeitig muss auch sie die Führende ziehen lassen. Dann ist es ein einsames Rennen. Die Abstände werden allmählich größer, aber nicht dramatisch. Ich kann ohnehin nichts mehr ausrichten. Ich laufe völlig am Limit; hoffe nur, dass die Beine derer hinter mir auf dem Rad mehr Körner gelassen haben. Das Ende der Runde führt vor dem Schloss über Kopsteinpflaster. Meine Beine fühlen sich komisch an, meine Schritte völlig unkoordiniert. Aber ich weiß auch, dass ich meinen Platz verteidigen würde, wenn ich das Stück noch zügig laufen kann. Lisas Mutter und meine Mutter stehen am Rand, wie schon den ganzen Tag, unterstützen uns so viel sie können. Ich weiß nicht mehr, was sie mir zurufen. Ich laufe nur noch. Dem Podium entgegen, für die Mannschaft und für mich.

Lisa kommt kurz nach mir ins Ziel und Andrea holt nochmal alles aus sich heraus, um so wenig Punkte wie möglich zu sammeln.

Ich würde sagen, dass war eine perfekte Mannschaftsleistung. Wir springen wieder in den See, um uns abzukühlen und uns frisch zu machen für die Siegerehrung. 

Die Männer schaffen es leider nicht, sich nach einer soliden Schwimmleistung auf dem Rad weiter nach vorn zu arbeiten. Beim Lauf gibt trotzdem jeder alles und so haben auch sie sich ein Stück von unserer Torte, die wir als Preis bekamen, mehr als verdient.