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Iron Jan pumpt auf Fuerteventura - Buxtehuder Tageblatt 17.03.2016


Lauftrainer Benny Bethge (rechts) ist seit zwei Tagen auch auf Fuerteventura. Er reißt zwölf Kilometer in einer Stunde ab und quält Iron Jan Bröhan so richtig. Foto Poddy

FUERTEVENTURA. Wie geht es eigentlich Iron Jan, dem TAGEBLATT-Sportredakteur Jan Bröhan, der in zwölf Wochen Triathlet werden will? Iron Jan schwitzt auf Fuerteventura und geht beim Laufen an seine Grenzen. Zum Schwimmen ist es ihm zu kalt.

 

Kommende Woche geht es in die Vollen. Das Five4Tri-Projekt wird forciert, das zwölfwöchige Trainingsprogramm bis zum Hamburger Stadtpark-Triathlon beginnt, die Teilnehmer werden von den Triathleten des Buxtehuder SV gezielt trainiert. Das ist auch notwendig. Denn bei aller Motivation: allein trainieren und in Triathlonform kommen, so einfach ist es nicht. Das haben die fünf auserwählten Five4Tri-Teilnehmer, und besonders ich, in den vergangenen vier Wochen gemerkt. Triathlet sein, will gelernt sein.

 

Vor vier Wochen haben sich alle Beteiligten, Teilnehmer, verantwortliche Triathleten, Trainer sowie die projektbegleitenden Physiotherapeuten bei einem ersten Treffen kennengelernt. Petra Engelken, Jenny Henke, Susan Henriksen, Oliver Kirsch und Jan Poppe sind die Teilnehmer, die von den Buxtehuder Triathleten für ihr Five4Tri-Projekt ausgesucht wurden. Ich, Jan Bröhan, begleite das Projekt als berichtender TAGEBLATT-Sportredakteur und selbst teilnehmender Hobbysportler. Die Teilnehmer waren sich sympathisch, eine WhatsApp-Gruppe wurde sofort gebildet und wird rege geführt.

Iron Jan auf facebook

Die ärztliche Untersuchung und die Leistungsdiagnostik haben alle überstanden und mit motivierender Bravour gemeistert. Die Teilnehmer, die sporadisch Sport machten, waren sofort bemüht, sich eine Grundfitness bis zum offiziellen Trainingsstart anzutrainieren. Gleichzeitig gab es aber schon Rückschläge und Unzufriedenheit. Ich, stets informiert über die Whats-App-Gruppe, hatte ein ums andere Mal ein schlechtes Gewissen. Ich hänge hinterher. Gutes Zeitmanagement und in diesem Zusammenhang Disziplin sind unabdingbar. Das will gelernt sein, vor allem in meinem Fall. BSV-Triathlet Michael Leitl nutzt beispielsweise seinen Arbeitsweg für Lauf- und Radeinheiten. Insgesamt ist es imposant, wie viel ein Hobby-Triathlet neben Beruf und Familie trainiert.

Oliver Kirsch hat zwar immer noch nicht sein brandneues Rennrad ausgepackt, weil „das Wetter“ ihn noch nicht motivierte – er scheint aber der bisher fitteste Teilnehmer zu sein. Bei den bisherigen Schwimmeinheiten macht er die beste Figur. Trainer Jan-Peter Hein hat an seiner Wasserlage und Technik nur wenig zu korrigieren. „Trotzdem kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen, die 500 Meter im Kraulstil durchzuhalten“, sagt Kirsch. Er läuft zwei, drei Mal pro Woche zehn Kilometer. Dabei hat er sich in den vergangenen vier Wochen zeitlich stetig verbessert. Schwimmtrainer Hein hat Kirsch schon gepusht, hat ihm das Ziel vorgegeben, den Triathlon in 80 Minuten zu schaffen. Da wurde bei den anderen Teilnehmern kräftig gestöhnt, zu diesem Zeitpunkt undenkbar.

Bisher sind die Teilnehmer stolz über ihren Einsatz und die persönlichen Fortschritte, wissen aber, was beim richtigen Training auf sie zukommt und wie hart es wird, die drei Disziplinen am Stück zu schaffen.

Petra Engelken ist mit ihrem Trainingspensum zufrieden. Sie läuft mehrmals in der Woche, fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit und nimmt das Schwimmtraining wahr. Das Schwimmen werde die größte Herausforderung für sie. Beim Laufen müsse sie an ihrem Tempo arbeiten. „Ich bin schon total gespannt auf das gemeinsame Lauftraining und das Wechseltraining“, sagt die Staderin.

Jan Poppe hebt hervor, dass ihm die professionelle Vorbereitung durch das Triathlon-Team mit den medizinischen Checks „Sicherheit gegeben hat“ und das er schon jetzt „ein besseres Körperbewusstsein hat“. Das Laufen fällt ihm leicht, er arbeitet an der Zeit. Fahrradtraining hat Poppe noch nicht begonnen, er hat sich ein Rennrad vom Nachbarn geliehen. Beim Schwimmen hat er, wie erwartet, Probleme. Der Buxtehuder verfällt immer wieder in den Brustschwimmstil. Trainer Hein überlegt, ob Poppe vielleicht das Brustschwimmen forcieren soll. Er selbst hofft, dass sich „der Schalter bald umlegt“. Üben, üben, üben ist Poppes Devise. Er hat auch schon ein Athletik-Training der Triathleten wahrgenommen. „Bisher finde ich alles klasse.“

Susan Henriksen „hat das Gefühl, als einzige noch nicht wirklich angefangen zu haben“. Bisher hat sie es nur geschafft, einmal pro Woche zu laufen. Das Schwimmtraining findet sie „richtig klasse“. „Aber nach zwei Bahnen kraulen bin ich total kaputt.“ Fahrradfahren war sie noch nicht. Ihren Fitnesszustand schätzt sie nicht besonders gut ein. Henriksen hatte, als die Untersuchungen anstanden, eine Nasennebenhöhlenentzündung. Die berufstätige Mutter musste sich zwischenzeitlich zudem um ihre drei kranken Kinder kümmern. „Das Zeitmanagement wird für mich das größte Problem. Drei Einheiten pro Woche müssen reichen“, sagt sie.

Jenny Henke nennt ihr bisheriges Training „Bewegung“, als Sport möchte sie ihre Lauf- und Schwimmeinheiten noch nicht bezeichnen, weil ihr das Tempo zu gering erscheint. Doch sie ist mit vielen Einheiten pro Woche durchgestartet. Sie machte zu viel. In der vergangenen Woche, als die Physiotherapeuten den Teilnehmern Stabilitätsübungen zeigten, klagte sie über ein Motivationsloch. Sie solle es nicht übertreiben, so die Coaches. Grundsätzlich ist Henke „begeistert“ bei der Sache, fühlt sich gut betreut bei dem Triathlon-Projekt. Dass jetzt das Trainingsprogramm startet mit festen Terminen und Einheiten, freut alle. So bekommt die Motivation einen Schub und die Faktoren Disziplin und Zeitmanagement sind eingebettet.

Genau das ist es, was ich brauche. Rückblickend muss ich gestehen, dass ich meine Lauf- und Radeinheiten an beiden Händen abzählen kann. Da mir als Raucher und uninspirierter Jogger das Laufen am schwersten fällt, bin ich ziemlich unzufrieden. Das Schwimmtraining konnte ich zeitlich noch gar nicht wahrnehmen. Wie durch den Facebook-Account „Iron Jan“ bekannt, urlaube ich gerade auf Fuerteventura. Das kommt mir eine Woche vor dem Trainingsprogramm zugute. Ich kann ohne zeitliche Einschränkungen an meiner Grundfitness arbeiten.

Mein Respekt ist schon jetzt, vor den anstehenden Intervall-Übungen oder dem Koppeltraining, wo es vom Rad gleich in die Laufschuhe geht, immens gestiegen. Triathlet sein, will gelernt sein. Man hält sich über Wasser, kann aber nicht Schwimmen. Man tritt in die Pedalen, kann aber nicht Radfahren. Man joggt, kann aber nicht Laufen. Die Techniken sind stets zu verbessern, wenn nicht sogar erst richtig zu erlernen. An die notwendige Kondition darf ich noch gar nicht denken. Die drei Einheiten am Stück werden eine echte Herausforderung. Ich bin motiviert und habe Lust. Den Trainingsaufwand zu koordinieren ist mein Problem. Nun geht’s los. Ausreden gibt’s beim Trainingsprogramm nicht mehr.

Five4Tri – Das Triathlon-Projekt

Das Triathlon Team Buxtehude hatte unter zahlreichen Bewerbern die Qual der Wahl. Fünf unterschiedliche Typen von Hobbysportlern sollen innerhalb von zwölf Wochen zu Triathleten geformt werden. Ziel ist die Teilnahme am Stadtpark-Triathlon in Hamburg über die Volksdistanz. Medizincheck, Leistungsdiagnostik, individueller Trainingsplan, professionelle Übungseinheiten unter Anleitung – und das TAGEBLATT ist auf dem Weg dabei. Sportreporter Jan Bröhan quält sich mit.